about... - Christian Raemisch - guitarplayer, composer, producer

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Meine Wurzeln sind der ganz klassische Rock'n'Roll: Papas alte Chuck-Berry- & Rolling-Stones-Cassetten wurden im Auto stets bis zum Erreichen der Toleranzgrenze meiner Muttter in Endlosschleife gespielt.
Mein erstes Instrument war dann allerdings keine Gitarre, sondern ein verstimmtes altes Klavier. Das stand zufällig von einem Pfarrer zurück gelassenen bei uns im Hausflur. Auf dem soll ich nach Auskunft meiner Mutter bereits im Vorschulalter so etwas wie Rock'n'Roll gespielt haben.

Und ich habe so das Klatschen auf die Offbeats gelernt (da, wo der Beat auch hin muss bei der "primitiven Neger-Musik"). Leider fiel mir dann umgekehrt schwer, was die meisten anderen Deutschen ausschließlich beherrschen: auf die "1" und die "3" zu klatschen (wie bei der anspruchvollen, guten alten Marschmusik). Und dann kam das Musizieren im Kindergarten! Die Kindergärtnerin hatte die Aufgabe, ihre Gitarre zu verstimmen und dann langweilig und unrhytmisch zu spielen. Wir Kinder sollten dazu mittels Orffschen Schlagwerkes auch irgendwie rumhämmern (wahrscheinlich bestand die Kunst darin, es ebenso unrhythmisch zu machen). Egal wie, ich war hier jedenfalls als rhythmischer Outlaw abgestempelt. So wurde mir schon damals klar: Normalität betrifft die anderen, aber nicht mich.

Später, als ich dann richtig Musik gemacht habe, wollte das leider kaum einer hören. Es war die Zeit der Synthesizer-Haargel-Musik  mit absolutem E-Gitarren-Halteverbot. Nur bei U2 durfte damals noch Gitarre gespielt werden - allerdings: ohne E-Gitarre wäre auch nix mehr von den U2-Songs übriggeblieben. Selbst Großgitarrist Eddie Van Halen musste einen Synthesizer-Hits machen: Jump. In dieser Zeit entstand folgerichtig auch die noch heute gültige Vorschrift aus dem Reichsministerium für entartete Pop- und Rockmusik, die für alle Radiostationen erlassen wurde: Ein Lied ist umgehend auszublenden, sollte am Ende ein Gitarren-Solo zu hören sein.

Jaja, die 80er - Falco hat sie richtig zusammen gefasst: "Wer sich an die 80er erinnern kann, hat sie nicht miterlebt". Er hat dabei sicherlich mehr auf die suchtmittelbedingte Abwesenheit seines Raum-Zeit-Gefühls Bezug genommen, doch ich konnte nur eben dasselbe über den ganzen Synthie-Pamp-Teppich dieser Zeit sagen. Für mich war das ein Verrat an Chuck Berry und Keith Richards, den beiden Schutzpatronen pubertierender Saitenquäler! Es sah für mich so aus: Musik ohne eine richtige E-Gitarre (richtig heißt: verzerrt, drückend, laut) - das war für mich kein Rock'n'Roll, sondern biedere Volksmusik (gut, die Toten Hosen haben im Grunde auch Volksmusik komponiert. Aber sie haben das mit einem Böse-Gitarre-Klang untermalt. Aber vielleicht haben sie das auch nur so gemacht, weil sie kein Keyboard spielen konnten). Na jedenfalls ist diese Zeit dank Kurt Cobain und Metallica dann auch wieder vorbei gegangen.

Ich habe damals in der Gegend von Hannover gelebt. Das war mein Pech: Hannover! Scorpions! Fury in the Slaughterhouse! uvm. - da gab es einfach zuviele Musiker (und vor allem Gitarristen). Eine Zeit mit wenig Gigs und viel Feinschliff im Proberaum. Aber musikalisch war es eine spannende Zeit. Mit älteren Jungs (und einem Mädchen), die alle  schon Autofahren konnten, nicht mehr bei ihren Eltern lebten und wussten, wie man Songs schreibt, haben wir dann genau das getan.  Wir hatten sogar einen Erfolg! Allerdings nicht in unserer Kleinstadt Hildesheim, da wollte uns keiner hören - weil es wie gesagt Gitarrenmusik war (aber wohl auch, weil es viel zuviel Led-Zeppelin-kompliziert-wir-wollen-was-aussagen-Musik war).

Aber dann gab's da diesen einen Freundschaftsbesuch von unserem "Haus der Jugend" beim "Haus der Jugend" in Kreuzberg (Ja! Kreuzberg!). Wir aus der niedersächischen Provinz als 50-köpfige Landei-Delegation mit dem Bus nach Berlin. Und meine Band "Gadget" sozusagen als Präsent für einen Auftritt mit an Bord. Wir waren es gewohnt, dass bei den Auftritten in Hildesheim die Haargel-Affen gingen, wenn wir die Bühnen betraten. In Berlin waren die offenbar schon vorab daheim geblieben. So war der Saal frei, um mit kiffenden Berliner Jugendlichen gefüllt zu sein. Die empfanden unsere Musik  als sehr passend zu ihrem Rauchverhalten und wir hatten tatsächlich einen tollen Auftritt. Ach ja, unser Frontman Tancred ist dann sogar in die GEMA eingetreten, hat ein paar Songs mit einerm 4-Spur-Cassettenrecorder im Proberaum mitgeschnitten und die an den Hessischen Rundfunk geschickt - zu so einer Sendung wie "Such den Super Amateur" (oder so ähnlich...). Und: Da wurde dann doch tatsächlich eines Abends unser Song im Radio gespielt. Unser Led-Zep-Hardrock war nach Meinung des Radiomannes "New Psychedelic" (Aha, dachten wir, haben es aber nicht verstanden).

Dann kam meine erste Band, bei denen alle Musiker ihre Instrumente nicht nur irgendwie anfassen, sondern auch zielführend bedienen konnten. "Canehl" hieß die Band, gegründet u. a. von Markus Bruns, dem jetzigen Manager von Seeed und Peter Fox. Da kam ich dazu, also die sogar schon eine richtige Single hatten. Super, dachte ich, ist zwar nur Jazzrock, aber kannste was lernen. Hab ich dann auch. Unter anderem, was es so an Black Music rund um Funk und Soul alles gab. Und ich musste Jazzakkorde lernen (was aber gar nicht so schlimm). Hat richtig Spaß gemacht, nur eine weitere Single gab's dann irgendwie doch nicht mehr.

Also haben wir gemacht, was dann alle Musiker erstmal machen: Top40-Coverband. Endlich mal 'ne anständige Gage verdienen und eine der "richtigen" Gitarren kaufen, die auch von Eric, Jimi und Carlos gespielt wurden - dachte ich mir. Soviel Kohle war's dann leider doch wieder nicht. Aber wir haben gelernt, wie gut die Stars der Branche Musik spielen und was es bedeutet, präzise und doch mit Feeling zu spielen.

Nur so als Beruf wollte das dann keiner mehr von uns machen. Also habe ich dann auch lieber studiert und was Seriöses erlernt (sofern man das von einem Ev. Pfarrer so sagen kann). Also war's das dann mit Musik im Profi-Bereich. Dachte ich. Bis ich nach Thüringen ins Pfarramt ging. Und da war dann alles ganz leicht. Hier gab`s einfach nicht soviele von der Sorte Musiker, die ihre Instrumente nicht nur anfassen, sondern auch zielführend (...ihr wisst, was ich meine). Also sind Ute und Jogi Seifarth , die aus dem DDR-Profibereich kamen und sogar Musik studiert hatten, irgendwann auf mich aufmerksam geworden. Daraus entstand der Kontakt zu Andreas Marius Weitersagen und seiner Westernhagenshow. Ihm verdanke ich eine ganze Menge, hab viel gelernt und über zehn Jahre mit ihm gespielt.
Und nun konnte ich plötzlich doch noch im Profilager mitmischen. Manchmal ein wenig tricky bei einem zweiten Job  als Pfarrer.
Eigene Musik habe ich auch mit Mazze Wiesner gemacht. Mit unserer selbst produzierten CD haben wir es zwar bis ins Herz von Bertram Engel (Peter Maffay's Drummer) geschafft. Doch seine Bemühungen, uns bei einem Major-Label zu platzieren, haben leider nicht gefruchtet. Naja, wär' ja auch zu schön gewesen. 5 Jahre richtig Arbeit und viel Idealismus - das bleibt dann unsichtbar (aber wenigstens auf YouTube sicht- und hörbar). Mazze hat dann lieber als Einzelkünstler ohne mich weiter gemacht - die treulose Hure; ich wünsche ihm trotzdem viel Erfolg  (vor allem mit unseren gemeinsamen Songs...

Seitdem durfte ich viel Schönes und Aufregendes erleben, z. B. in Messehallen spielen oder im Wintergarten-Varieté Berlin ein Engagement haben. Und es ist einfach super, viele tolle Musiker und inspirierende Künstler kennengelernt zu haben.
Jetzt arbeite ich vor allem mit der Mr. Rod Show. Eine nochmal größer aufgezogenes Projekt, bei dem wir wirklich tolle Gigs haben und eine richtig mitreißende Show aufgebaut haben. Das war viel Arbeit (und ist es auch noch) - aber wenn dann ein tolles Ergebnis da ist, fühlt sich das einfach gut an.
Außerdem plane ich was mit eigener Musik, etwas mit Gitarren-Solo-Trip und eine Sache mit moderner Kirchenmusik für meine Jugendlichen, die den Orgler satt haben.








Gitarrist, Musical Director, Komponist, Arranging Studio- und Tontechnik.

Erfahrung in den Bereichen Live-, Theater- und Studio-Produktionen.

Referenzen


Kuellmer
The best of Tina
Gangsters of Paradise

The Full Orchestra

Dirty Voice
The Rock History

Groenland
For Sale

Just Brill




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